Review von Dennis Fuxx Musikjournalist für Heavy Hardes

 Cool Cat Crazy! Der Bandname erfüllt schon mal seine primäre Aufgabe, dass man sich unschwer wieder daran erinnern kann, ruft er doch Assoziationen zu solch herausragenden Comic-Gestalten wie Kater Carlo, Sylvester oder Garfield wach. Also einem Trickbetrüger, dem ewigen Verlierer und einem das Leben in vollen Zügen genießenden Faulpelz. Alle drei Charakterisierungen treffen auf Mastermind Frankensnyder, der hinter Cool Cat Crazy steht, keinesfalls zu. Denn: Musikalische Tricks in Form von Elektro-Spielereien sind auf dem Debutalbum, schlicht Cool Cat Crazy benannt, reichlich vorhanden, stellen aber Offerten und Herausforderungen an den Hörer dar und mit der Scheibe sollte Frankensnyder definitiv auf der Gewinnerseite stehen.

Außerdem haben wir es hier mit einem Hans Dampf in allen musikalischen Gassen zu tun, der sich mit Die Energiemaschine im Techno-Sektor und mit Yautia als Liedermacher austobt. Stimmlich darf man den Barden als Sprössling, der aus der wilden Ehe von Rio Reiser und Udo Lindenberg hervorging, einordnen. Der Promo-Text lässt hierbei zunächst ein schwer verdauliches Mosaik aus Tönen, Steinen und Scherben vor dem inneren Ohr erscheinen, ist dort doch die Rede vom "Logbuch der Stimmungen", der "fortschreitenden Erosion der Werte" und "einer monatlichen Vollmond-Party im Herzen der Mohave-Wüste". Wird hier nun auf Eingängigkeit zugunsten artistischer Selbstbeweihräucherung verzichtet? Ich für meinen Teil würde die Frage auf jeden Fall verneinen.
 
Denn schon der Opener "Würde Und Liebe", der klingt als hätte Rob Zombie einen Deutschkurs belegt und triebe nun in Berlin sein Unwesen, genauso wie die anschließenden "Muse" beziehungsweise "Braver Wusch" (mit dem wiederholten und somit herausstechenden Vers "Yeah ich brauch' mein Weib, nackt geschlungen um mein' Leib!" und feinen aber bisweilen zu leisen Gitarrensoli im Stile Slashs) warten einerseits mit schweren Stonerrock-Riffs, andererseits mit Wiedererkennungswert besitzenden Refrains auf.
 
Das Eröffnungs-Quartett deutschsprachigen Liedguts vervollständigt "Verzeih", das in seiner Instrumentierung an den Danzig-Ausrutscher Blackaciddevil erinnert, in Kombination mit Frankensnyders Berliner Lässigkeit aufrufendem Organ sich aber nahtlos ins Cool Cat Crazy-Konzept einreiht.
 
Danach wird für fünf Tracks aufs Englische zurückgegriffen. Der Switch erweist sich als problematisch - nicht nur weil aus meiner Sicht Zweisprachigkeit auf ein und derselben Platte stets einem runden Gesamteindruck zuwider läuft (Ausnahme "Für Immer" auf Warlocks Triumph And Agony!), sondern auch weil Frankensnyders selbstbetitelter "Westcoast-Slang" alles andere als akzentfrei daherkommt und so einiges an der Authentizität, die die in deutsch gesungen Stücke durchaus zu transportieren wussten, verloren geht.
 
In "Fullmoon" bekommt Schneiders Frank Unterstützung von einem fragilen Damenstimmchen, so dass ein interessanter Singsang der beiden "soulmates" entsteht - nur unterbrochen von einer schön lärmigen Gitarrensolo-Einlage.
 
Angetrieben von den omnipräsenten E-Drums marschiert "Home" (auch hier tritt besagtes Fräulein noch einmal in Erscheinung) in flotterem Tempo los. Das Prädikat der Tanzbarkeit kann dabei allen bisher dargebotenen Stücken verliehen werden - das der "Moshbarkeit", um einen unsäglichen Neologismus ins Leben zu rufen, eher weniger. 

Mit vielleicht zu leicht konsumierbaren Melodien plätschern "Please My Soul" und "Tell Me" (Slap-Bass-Einwurf!) danach ein wenig vor sich hin. 

Demgegenüber wird mit "Trippin" ein Höhepunkt des Silberlings erreicht, auf dem Cool Cat Crazy dem Monstermagneten begegnet, wie er sich zu Dopes To Infinity-Zeiten darstellte. Atmosphärische Schwankungen werden in diesem Fall überzeugend mit rauchigen Vocals und düsteren Akkordfolgen eingefangen. Äußerst hörenswert.
 
 "Der Morgen vor dem Abend, der Abend vor dem Morgen, Hauptsache ist nun wirklich, ich mach' mir keine Sorgen". So und mit einer "Tüte im Grünen" gewinnt Frankensnyder im gemütlichen "Rotznase Oder Arschloch" allen Berliner Charme und lindenbergsche Lässigkeit zurück.
 
 Im folgenden "Gotta Let Sunshine Dance" kann in Gestalt spärlicher Instrumentierung und locker darüber geworfener Lyrics die Grundstimmung zwar gehalten werden, die Originalität geht aber erneut durch den sprachlichen Wechsel zu einem Großteil verloren.
 
Das ausfadende "Trust" lebt von einer im Nine Inch Nails-Stil aufgebauten Dynamik, beginnend im schlichten Drum'n'Bass-Skelett, um dann mit flächigen Synthie-Sounds ergänzt zu werden und im Chorus noch mal dezent die Axt auszupacken. Der Reznor-Härtegrad wird hierbei allerdings nicht erreicht, was wohl auch nicht die Intention hinter der Nummer sein dürfte.
 
 Leider fehlte im Promo-Material eine Beigabe in Form der Lyrics. Nach allem Gehörten hätte eine Parallel-Lektüre zur Mucke sicherlich noch viel Unentdecktes an die Oberfläche treiben können. "Ein wildes Rudel Löwen, das zornig auf einen zurennt", das der erste Satz der Ankündigung von Cool Cat Crazy beschreibt, konnte zwar einstweilen nicht ausgemacht werden, eine gewisse Coolness, gepaart mit diversen Verrücktheiten, die bei einer imaginären Bandgründung von Carlo, Sylvester und Garfield das Licht der Rock-Welt erblicken könnte, darf dem Output aber auf alle Fälle attestiert werden.
 
 Zudem rundet die Standard-Erwartungen zufrieden stellende Produktion, die fast komplett in Eigenregie Frankensnyders entstand, das Teil ab. Subjektiv hätte mir Cool Cat Crazy gänzlich in Deutsch weitaus besser gefallen. Anzutesten wird aber ausdrücklich empfohlen.
 
Article by Dennis Fuxx